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Wir vertrauen dem eigenen Pathos mehr und mehr. Allmählich wird die Schamlosigkeit zu unserer größten Tugend. Das Baby gibt uns die Freiheit, ohne Selbstbeschränkung (im Denken, im Fühlen) auf die Welt zu blicken. Der zögerliche, zaudernde Mensch hat ausgedient (wollen wir uns selbst überschätzen, tun wir es). Wir bremsen uns nicht in dem natürlichen Drang uns innerlich wie äußerlich (wer kennt schon den genauen Unterschied?) zu verausgaben. Dies alles nur, weil wir die herrliche Unfähigkeit des Babys zur Eitelkeit nachahmen, indem wir mit der gleichen anmutigen, betörenden, charmanten Unklugheit durch alles und jeden hindurchsehen.

We trust our own pathos more and more. Gradually shamelessness becomes our greatest virtue. The baby gives us the freedom to view the world without limiting ourselves (in thought, in feeling). The hesitant, halting person has served his time (if we want to overestimate ourselves, we do so). We do not restrain the natural urge to expend ourselves fully, both inwardly and outwardly (who can tell the precise difference?). And all this merely because we imitate the baby’s glorious incapacity for vanity by seeing through everything and everyone with the same graceful, enchanting, charming foolishness.

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